Weltoffen, sozial und bildungsorientiert - als modernes Unternehmen folgen wir unseren Werten und übernehmen soziale Verantwortung für den längst fälligen Wandel in der Gesellschaft. Themen, die uns besonders am Herzen liegen, sind Toleranz, Bildung und Chancengleichheit. Über beispielhafte Projekte berichten wir in unserem Blog. 

Die Peter Sodann Bibliothek

Träume und Tränen des Ostens

Viele kennen ihn noch als Tatort-Kommissar: Heute sammelt der Schauspieler Peter Sodann die Träume und Tränen des sozialistischen Ostens – eingefangen in den Büchern aus Zeiten der DDR. Wer gerne darin schmökern möchte, findet jetzt einen Querschnitt der Sammlung in der Bücherei des Schulz Hotels Berlin Wall.

Historische Grenze an der Spree; Fotograf: Hans-Joachim Grimm

Sodann in seiner Bibliothek in Staucha

Gedicht aus der Bibliothek in Staucha

Bücher in Bananenkisten

 „Die DDR hat ihre Grenzen bis auf weiteres geöffnet“. Das sind die Worte, die im November 1989 Millionen Herzen schneller schlagen lassen. In Berlin versammeln sich hunderttausende Menschen, um gemeinsam zu feiern. Sie stürmen die Berliner Mauer, zünden Feuerwerk und fahren Kolonne in hupenden Trabbis. „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört", sagt damals Altkanzler Willy Brandt.

Und tatsächlich: Dreißig Jahre später ist es gerade für jüngere Generationen kaum mehr vorstellbar, dass eine innerdeutsche Grenze die Menschen einst voneinander trennte, Familien und Freunde über Jahrzehnte auseinanderriss. Wo heute das Schulz Hotel Berlin Wall die Menschen wieder zusammenbringt, erinnert nur noch das längste erhaltene Teilstück der Berliner Mauer, die East Side Gallery, an die Trennung der beiden deutschen Staaten.

Liebe und Lügen von damals

Doch wie war das eigentlich, das Leben damals in der DDR? Von was haben die Menschen geträumt, worüber haben sie gestritten oder gelacht, welche Hoffnungen und Wünsche legten sie in die Zukunft? Genau diese Eindrücke möchte Peter Sodann, Schauspieler, Politiker und Freigeist, vor dem Vergessen und Verzerren bewahren.

„Bücher sind das Gedächtnis der Menschheit“, schreibt Sodann auf der Homepage der Peter-Sodann-Bibliothek. „Sie künden von den Taten der Menschen, von ihrer Liebe und von ihren Tränen, von ihren Träumen und von ihren Lügen, von ihren Gedanken und Gefühlen.“

Schmeißt die Russenschwarten weg?!

Als nach der Wiedervereinigung Bücher aus DDR-Verlagen tonnenweise entsorgt werden („Schmeißt die Russenschwarten weg“), beschließt Sodann, etwas zu tun, damit die Träume und Tränen des Ostens nicht in Vergessenheit geraten. Ganz nach seinem Motto „Was du nicht selber tust, tut für dich kein anderer“ beginnt Sodann, all jene Bücher zu sammeln, die zu DDR-Zeiten über oder auch unter der Ladentheke verkauft worden sind.

Inzwischen sind in der Peter-Sodann Bibliothek im sächsischen Staucha etwa 2,5 Millionen Bücher zusammengekommen, monatliche werden es noch einmal drei bis viertausend Exemplare mehr. Meist sind es ältere Bürger, die Bücher aus ihrem Besitz vorbeibringen und sie damit vor dem Vergessen bewahren wollen.

In Bananenkisten stapelt sich das Wissen des Ostens, von der Mao-Bibel, über Kochbücher, gesammelten Aufsätzen der kommunistischen Moral bis hin zu zeitgenössischen Romanen, wie das Buch „Jugendträume“ von Manfred Künne, in dem der Autor seine Jugend im kriegszerstörten Leipzig schildert. Künnes Erfolgsromane wurden auch in Tschechien, Ungarn, Rumänien, Italien und Kroatien veröffentlicht und mit Preisen ausgezeichnet, nach der Wende aber aus dem Verlagsprogramm geworfen.

Peter macht gern Faxen

 „Ich war schon immer ein politischer Mensch“, sagt Sodann und tatsächlich bringt ihn sein Engagement im realen Leben sogar ins Gefängnis. Neun Monate verbringt er hinter Gittern, nachdem er 1961 in einem Studentenkabarett öffentlich die SED kritisiert, „staatsgefährdende Hetze“ heißt das damals. Doch Sodann lässt sich nicht verbiegen und schon gar nicht den Mund verbieten. Kein Wunder also, dass ihm schon sein erstes Schulzeugnis bescheinigt: “Peter macht gern Faxen“.

Wer nicht bis nach Staucha nahe der tschechischen Grenze fahren möchte, bekommt auch in Berlin die Gelegenheit, einen Einblick in die Gedankenwelt des sozialistischen Ostens zu bekommen. Schulz Hotel Berlin Wall zeigt in seiner Hotelbücherei einen Querschnitt der DDR Literatur – ausgewählt und bereitgestellt vom Team der Peter-Sodann Bibliothek.
Die Bücher aus fünfzig verschiedenen Verlagen dürfen während des Aufenthaltes im Hotel kostenfrei geliehen oder gelesen werden. Schließlich befindet sich Schulz Hotel Berlin Wall selbst genau an der ehemaligen Grenze zwischen Ost und West. Und da bleibt es spannend, zu erfahren, was die Menschen auf der ostdeutschen Seite der Mauer eigentlich so gelesen haben, von was sie träumten und worüber sie sprachen, bevor uns die Wiedervereinigung wieder zusammenführte.

► Zur Webseite der Peter-Sodann-Bibiliothek

Die Schulz Hotel-Bibliothek

Komm vorbei! - Neben Büchern aus DDR-Zeiten bietet dir die Bücherei des Schulz Hotel Berlin Walls auch Sitzplätze, freies W-LAN, Steckdosen für deinen Laptop, leckeren Kuchen und Fairtraide-Kaffee aus dem Café Martha nebenan.

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